Irgendwann musste das ja kommen. Ohne Not brachten einige Äußerungen von attac-FunktionärInnen die wirklich nicht harmonische und von gegenseitigem Respekt durchdrungene Welt der organisierten G8-GegnerInnen durcheinander: In Zeitungsinterviews wurden Distanzierungen von Gewalt (wie immer: von der von unten bzw. links) hinausgetönt. Von jetzt auf eben hatte so auch die Anti-G8-Mobilisierung ihre „Gewaltdebatte“, weil ... ja, warum eigentlich? Gibt es eine bewaffnet kämpfende Linke, gibt es die mittels Straßenkampf agierende Militanz, wird irgendwo der Sturm aufs Kempinski vorbereitet? Einen solchen, die attac-Verlautbarungen verständlich erscheinenden Anlass gibt es nicht. Aber die eigenen Befindlichkeiten musste offensichtlich mal formuliert werden.
Gleiches gilt offensichtlich für einige der Antworten und offenen Briefe – vor allem aus dem linksradikalen Spektrum. Natürlich ist es richtig: Weder das bürgerliche Gesetzbuch noch die heuchlerische Moral der staatlichen Gewalttäter definieren, was als Widerstand angemessen ist und in welcher Form sich Protest äußert. Das ist Sache der Bewegungen selbst – und dabei nicht nur eine Angelegenheit der politischen Objektivität, sondern auch der rebellischen Subjektivität. Die Distanzierungen, aber auch einige der Erwiderungen haben jedoch nicht den wünschenswerten Bewegungsprozess im Blick, sondern eher das eigene Milieu und das ins Auge gefasste Umfeld – und dienten vor allem der Selbstversicherung.
Nicht, dass wir die Frage der Protest- und Widerstandsformen für zweitrangig hielten. Im Gegenteil: Wir treten ein für breiten, vielfältigen und subversiven, deswegen auch zwangsläufig handgreiflichen Widerspruch gegen die Politik der G8. Der Interventionistischen Linken ging es von Anfang an darum, ein Forum der gemeinsamen Verständigung zu schaffen; ein Bündnis, das diesen Namen verdient, weil es sich respektvoll und verbindlich auf eine gemeinsame Sache einlässt. Ein temporärer Zweckverband, aber bereit und offen diesen Zweck gemeinsam zu organisieren. Dafür Vertrauen und Kraft zu investieren, Ressourcen und Kapazitäten einzubringen und eben auch genauso die unterschiedlichen Schwerpunkte und Themensetzungen zu integrieren wie die differenten Widerstandsformen und Protesttraditionen. Aus unserer Sicht nicht nur eine Notwendigkeit für effektiven, breiten und lautstarken Gipfelprotest, sondern auch essenziell als praktische Erfahrung für alles was nach dem Juni 2007 angepackt wird.
Ein solches Bündnis konnte allerdings nicht auf die Beine gestellt werden. Zu wenige waren dazu bereit und in der Lage. So gibt es zwar heute eine Koordination, aber keinen gemeinsamen Aufruf und keine gemeinsame Verantwortung, keine gemeinsame Kasse und keine gemeinsame Pressestelle. Das ist so gewollt. Allerdings nicht von uns. Konsequenz ist, dass jedes Spektrum so weiter macht wie bisher. Einiges können wir jetzt noch ändern und sollten es unbedingt tun. Dazu gehört, die Diffamierung anderer Handlungsansätze aus der Welt zu schaffen.
Die Redaktion