G8Xtra Nr. 3: Den Überschuss der Kämpfe freisetzen

Vom Einsatz linker Interventionen in soziale Bewegung

Mit ihren Richtungsforderungen benennt die Interventionistische Linke weder tages-politische Reformen noch Etappenziele eines „Übergangs zum Sozialismus“. Statt dessen versuchen wir, den inneren „drive“ und darin die Autonomie der konkreten Kämpfe auf den Punkt zu bringen. Deshalb ist – ein Beispiel nur – nichts so öde wie die marxologische Ermahnung, nach der die Einforderung eines bedingungslosen Existenzgelds unter kapitalistischen Bedingungen am Sachverhalt der ausbeuterischen Mehrwertabschöpfung vorbei gehe und deshalb entweder „systemdysfunktional“ oder „systemimmanent“ sei. Brav nachgelesen, nix kapiert.

Uns interessiert das Potenzial eines Kampfes, der von seinen AktivistInnen aus ganz verschiedenen Motiven geführt wird. Im Fall des Existenzgelds reicht das von Erwerbslosen, die sich gegen das Elend der „Arbeitslosenunterstützung“ wehren, bis zu Leuten religiösen Hintergrunds, für die das Existenzgeld die christliche Familie mit der Geschlechteremanzipation zusammenbringt. „Linksradikal“ ist beides nicht. Doch trägt der aus solchen Motiven geführte Kampf mehr in sich als von seinen AktivistInnen augenblicklich gewollt wird. Das liegt nicht an der „Rückständigkeit“ der AktivistInnen, die deshalb linker Belehrung bedürftig wären: Die politisch, d.h. jeweils für alle eingeforderte Verbesserung beschissener Lebenslagen ist das materialistische A und O jeder Widerständigkeit. Wenn der innere „drive“ der Kämpfe noch auf seinen jeweiligen Punkt gebracht werden muss, liegt das daran, dass die Autonomie einer sozialen Bewegung keine Eigenschaft der Subjekte ist, die sie bilden.

Wer oder was ist eigentlich „autonom“

Wenn wir von der „Autonomie der Migration“ reden, sagen wir nicht – was eine fahrlässige Mystifikation wäre – dass MigrantInnen autonome Subjekte seien. Benannt wird statt dessen, dass die Bewegung der Migration die wirkliche Gegenmacht zum herrschenden Migrationsregime bildet und in diesem Sinn autonom ist. Ausgesprochen wird diese Autonomie im Überschuss der konkreten Forderung, den die Richtungsforderung auf den Punkt bringt. Im Streit für ein Recht auf Legalisierung des Aufenthalts geht es um globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte für alle an jedem Ort. In der Existenzgeldforderung liegt der Überschuss im Vorgriff auf die Unentgeltlichkeit des Lebens. Im Kampf um Schuldenstreichung und für Reparationszahlungen infolge kolonialer bzw. imperialistischer Ausbeutung ist dies die Umkehr der Ressourcenströme zwischen Nord und Süd. Die Widerstände gegen Atomkraftwerke, die Bundeswehr oder die Gentechnik bewegen sich ihrer Richtung nach auf die Abschaffung aller Destruktivtechnologien zu.

Wir können uns die Kämpfe und Bewegungen nicht backen, in die wir eingreifen. Doch können wir, und das ist die linke Intervention, die Autonomie zu Wort bringen, die dort ihren Ausdruck sucht. Zuletzt hängt alles daran, die Richtungsforderungen zusammenzudenken und derart die Kämpfe in Kommunikation zu bringen.

Die Redaktion

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