Sand im Getriebe der Ausbeutung
Schon lange ist Schlecker für den miesen Umgang mit seinen Beschäftigten berüchtigt. Nun will das Unternehmen mit neuen XL-Filialen gegenüber der Konkurrenz verlorenen Boden wettmachen und treibt dabei die schikanösen Ausbeutungsmethoden auf die Spitze.
Im Zuge der Schließung alter Filialen werden die Mitarbeiterinnen entlassen und bekommen dann zum Teil das Angebot, in der XL-Filiale zu bis zu 40% weniger Lohn »neu« anzufangen. Vollzeitverträge werden – auch in den alten Filialen – sukzessive zugunsten von Teilzeitarbeit abgeschafft, Mitarbeiterinnen müssen zunehmend ergänzend Hartz IV beantragen. Abgewickelt wird dieser Angriff auf die Beschäftigten mithilfe einer eigens gegründeten Leiharbeitsfirma.
In Bremen eröffnete im November 2009 die erste Filiale. AktivistInnen des Mayday-Bündnisses hatten bereits vorher Kontakte geknüpft mit den (wenigen) aktiven Schlecker-Mitarbeiterinnen und dem zuständigen ver.di-Sekretär. Eine erste Flugblattaktion am Eröffnungstag zeigte, dass der Unmut im Stadtteil groß war. Wir starteten daraufhin eine breite Mobilisierung für einen Flashmob in der Filiale.
Die Aktion war ein voller Erfolg: AnwohnerInnen, prekär Beschäftigte anderer Betriebe, SchülerInnen, linke AktivistInnen – eine bunt gemischte Menge von etwa 150 Leuten okkupierte für eine gute halbe Stunde den Schlecker-Markt und zog danach gut gestimmt mit einer Spontandemo durch den Stadtteil.
Die Presse berichtete durchweg positiv, entsprechend zurückhaltend verhielt sich auch die Polizei. Am Eröffnungstag der zweiten Bremer XL-Filiale sollte wieder eine Besetzungsaktion stattfinden. Dem kam Schlecker jedoch zuvor und machte sich selbst wegen eines angeblichen Stromausfalls das Eröffnungsgeschäft zunichte.
Gemeinsame Aktionen machen Mut
Die Kontakte zwischen linken AktivistInnen und den Schlecker- MitarbeiterInnen haben sich im Zuge der Zusammenarbeit intensiviert, unter anderem bei Aktionen zu den Tarifverhandlungen und den Betriebsratswahlen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir gemeinsam eine ganze Menge auf die Beine stellen können: Organisierung und Protest – auch jenseits von Gewerkschaft – ist machbar!
Betriebliche Kämpfe haben in den letzten Jahrzehnten auf der Agenda linksradikaler AktivistInnen ein Schattendasein geführt. Dennoch gibt es in den letzten Jahren immer mehr Versuche, das zu ändern. Wir haben uns im Rahmen des Bremer Mayday-Bündnisses mit der Schlecker-Kampagne auf diesen trial-and-error-Prozess eingelassen und stellen fest: Der Einsatz lohnt sich. Die kraftvollen, öffentlichkeitswirksamen Aktionen haben dazu beigetragen, dass Schlecker sich genötigt sieht, zumindest formal einen Ausgleich mit ver.di zu suchen und die eigene Leiharbeitsfirma meniar zu schließen. Was das für die Beschäftigten heißt, muss sich noch zeigen. In jedem Fall haben die gemeinsamen Aktionen aber allen Beteiligten Mut gemacht!
www.mayday-bremen.de
www.wir-zahlen-nicht-für-eure-Krise.de/bremen
[Dazwischengehen - Zeitung für eine interventionistische Linke 01.05.2010]






