Für eine feministisch-emanzipatorische Krisenintervention!
Seit Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise wird darüber spekuliert, ob frau Gewinnerin oder Verliererin der Krise ist. Hier soll es aber nicht darum gehen, ob Frauen die besseren FondsmanagerInnen sind oder die Telekom-Quote und Diversity Management das Versprechen der Gleichstellung nun endlich mehr oder weniger einlösen oder warum sie dies nicht tun.
Am stärksten betroffen von einer Gesellschaft, die auf der Trennung gesellschaftlicher Sphären von Produktion und Reproduktion und somit auch auf ungleichwertiger Arbeitsteilung basiert, sind Menschen, die aufgrund diverser Merkmale – und dazu gehören auch geschlechtsspezifische – schlechter behandelt werden als andere. Sei dies nun die alleinerziehende Mutter, die illegalisiert arbeitende MigrantIn, der Kinder betreuende Erzieher oder die gerüstbauende Handwerkerin. Sie alle erzeugen Widersprüche, die es in einer herrschaftsfreien Gesellschaft jenseits des Kapitalismus aufzuheben gilt.
Klassenverhältnisse und Geschlechterverhältnisse
Wenn antikapitalistische Praxis Arbeitskampf bedeutet, so muss sich eine radikale Linke einen neuen Begriff davon machen, was Arbeit bedeutet und was bis jetzt bei dem Begriff ausgeschlossen blieb. Tut sie das nicht, schlägt sie zwangsläufig fehl, da sie (Re-) Produktionssphären und damit Geschlechterverhältnisse ausblendet. Demnach müsste sie als antikapitalistische, antagonistische Praxis erkennen, warum Geschlecht auch derzeit noch strukturell und interaktionistisch ein grundlegender gesellschaftlicher Konstitutionsfaktor ist. Betrachtet sie somit Klassenverhältnisse nicht auch als Geschlechterverhältnisse, läuft sie Gefahr, reaktionär oder reformistisch zu sein.
Erst wenn die Geschlechterungleichheiten neben anderen Herrschaftsmechanismen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft in all ihren Widersprüchen aufgegriffen werden, eröffnet sich die Möglichkeit, dass Menschen in diesen alltäglichen Widersprüchen ihren zugewiesen Rollen zuwiderhandeln. So können Kräfte gebündelt, Konflikte zugespitzt und Gemeinsamkeiten für eine Praxis gefunden werden, die eine herrschaftsfreie Gesellschaft zum Ziel hat.
[Dazwischengehen - Zeitung für eine interventionistische Linke 01.05.2010]







